Andrea K. aus dem Weserbergland:

Dank Plattformlift wieder mitten im Leben

Fast drei Jahre hat es gedauert, bis Andrea K. nach einer schweren Erkrankung wieder mobil ist. Umso mehr genießt sie inzwischen wieder ihre Freiheit.

Im Weserbergland in der Nähe von Hameln wohnt Andrea K. (32) zusammen mit ihren Eltern in einem idyllisch gelegenen Fachwerkhaus. Im Alter von drei Jahren wurde bei ihr ein Knochentumor diagnostiziert, ihr rechtes Bein musste amputiert werden, bei der anschließenden Chemo-Therapie erleidet sie zudem eine Herz-Muskel-Entzündung. Den Krebs hat sie besiegt, aber eine Herzschwäche ist seitdem Kindesalter geblieben. Atemnot und Flüssigkeitseinlagerungen sind Nebenwirkungen, mit denen sie seither zu kämpfen hat.

Als erwachsene Frau ist Andrea K. trotz ihrer Einschränkungen weitestgehend selbständig und bewerkstelligt ihren Alltag soweit es möglich ist allein. Doch mit 29 ereilt sie ein weiterer Schicksalsschlag: Nach einer Lungenentzündung verschlechtert sich ihre Herzerkrankung weiter, die Leistung ihres Herzens beträgt nur noch etwa ein Drittel der eines gesunden Menschen. Dadurch verliert sie viel Körperkraft und ist seitdem auf einen Rollstuhl angewiesen. Auch wenn sie kurze Strecken ohne Rollstuhl mit Gehhilfen meistert, so werden Treppen zunehmend zu einem unüberwindbaren Hindernis.

Wohn- und Schlafzimmer, Küche und Bad liegen im Erdgeschoss des Fachwerkhauses, hier kann sich Andrea frei bewegen. Von dem Rest der Welt trennen sie vier Stufen, die sie nicht alleine überwinden kann. Für jeden Aufenthalt im Freien, in dem weitläufigen Garten ums Haus und auch bei jedem notwendigen Arztbesuch ist sie auf die Hilfe ihrer Eltern angewiesen.
Zunächst versucht der Vater mit Hilfe von Brettern eine Rampe zu bauen, doch diese ist steil und gefährlich und schnell wird klar, dass eine Lösung her muss, mit der Andrea diese vier Stufen sicher überwinden kann.

Andrea K.:

Wenn ich nur wusste, ich muss diese vier Stufen runter, da war ich vorher schon kaputt.

Andrea K. aus dem Weserbergland
Andrea K. auf ihrem Plattform-Lift

Die Überlegung, einen Stuhl-Lift einzubauen, verwarfen die Drei schnell wieder. Zu mühselig ist das Umsteigen vom Rollstuhl auf den Sitz und wieder zurück. Ein Plattformlift musste her, mit dem Andrea sowohl per Rollstuhl, als auch sitzend mit den Gehilfen die Stufen überwinden kann. Als die Entscheidung dann gefallen war, hat es nicht mehr lang gedauert, bis der Lift montiert und einsatzbereit war.

Die erste Fahrt hat Andrea zunächst etwas Überwindung gekostet. Die Angst vor der Treppe war nach wie vor da: „Was passiert, wenn der Lift abrauscht? Wie bedient man den Lift? Was, wenn man unten vor den Schutzbügel knallt?“ Die Skepsis war natürlich unbegründet. Der Lift gleitet langsam und sanft die Treppen hinab, unten öffnen sich Schutzbügel und Wegfahrklappe und ermöglichen einen leichten, ebenerdigen Zugang sowohl mit dem Rollstuhl, als auch mit den Gehhilfen. Auf die Frage, wie sie sich nach der ersten Fahrt gefühlt hat, antwortet sie, sie sei sehr erleichtert gewesen.„Ist ja geil!“, hat sie gesagt, ergänzt ihre Mutter.

Andrea K.:

Jetzt setz‘ ich mich eben auf den Lift und fahre runter.

Inzwischen ist der Lift zu einem Alltagshelfer geworden, den keiner in der Familie mehr missen möchte. Als klar war, dass Andrea mit dem Schrägaufzug erstmals wieder alleine nach draußen in den Hof und zur Garage kommt, hat die Familie gleich in ein Elektromobil investiert. Vom Lift bis zur Garage, in der das Elektromobil parkt, sind es nur wenige Meter. Von dort aus steht ihr die Welt offen: Andrea kann nun selbständig zum Arzt fahren oder einfach nur an der Weser entlang bis zu ihrer Lieblings-Pizzeria „cruisen“.

Andrea K. aus dem Weserbergland mit ihren Eltern

Auch die Eltern von Andrea genießen ihre neue Freiheit. „Wir müssen nicht mehr immer zu Hause sein“, sagt ihr Vater, die Mutter ergänzt: „man kann auch mal wieder abschalten, weil man weiß, dass Andrea wieder mobil ist“. Ganz so leicht fällt den Eltern das Abschalten aber noch nicht. Wenn sie sich Sorgen machen, schicken sie ihrer Tochter eine SMS: „Wo steckst Du denn gerade?“ oder „Denk an Deinen Akku!“. Andrea rollt dabei mit den Augen, kann sich aber ein Grinsen nicht verkneifen.

Fast drei Jahre hat es gedauert, bis Andrea nach der Lungenentzündung wieder mobil ist und weitestgehend selbstbestimmt leben kann. Drei Jahre, in denen sie das Haus eigentlich nur für Arztbesuche verlassen hat, die sich nicht vermeiden ließen. Umso mehr genießt sie inzwischen wieder ihre Freiheit: sich einfach nur im Garten in den Strandkorb setzen zu können oder mit dem Elektromobil bis nach Hameln zu fahren, um dort Freunde zu treffen: All dies war ohne den Treppenlift nicht möglich.

„Diese Selbständigkeit ist nur dank des Lifts möglich. Das Elektromobil ist eine tolle Ergänzung, aber ohne den Lift könnte sie es nicht allein erreichen“, sagt Herr K. Zu dem Aufzug ergänzt seine Tochter: „Erst dachte ich, so ein Treppenlift ist doch nur was für alte Leute“, doch inzwischen nutzt sie den Plattformlift ganz selbstverständlich jeden Tag.